Hodentumoren

 Hodentumoren sind die häufigsten Tumoren junger Männer im Alter von 18 bis 36 Jahren. 70% der Patienten sind zwischen 20 und 40 Jahre alt, die meisten Männer in diesem Alter haben ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen. In den letzten 50 Jahren hat die Häufigkeit von Hodentumoren um das 4fache zugenommen. Wichtigste Risikofaktoren sind eine familiäre Belastung und ein Hodenhochstand in der Kindheit (Maldescensus testis). Meistens verursacht ein Hodentumor keine Schmerzen oder Beschwerden. Symptome können eine schmerzlose, derbe Größenzunahme des Hodens oder ein Schweregefühl sein. In einem solchen Fall ist eine rasche Vorstellung beim Urologen unumgänglich. Die Diagnostik besteht in der Abtastung des Hodens, einer Ultraschalluntersuchung und der Bestimmung der Tumormarker (ß-HCG, AFP und h-PLAP). Bestätigt sich der Verdacht auf einen Hodentumor muss der der Hoden operativ freigelegt werden und bei Diagnosesicherung entfernt werden. Anschließend ist es unbedingt notwendig durch weitergehende radiologische Untersuchungen festzustellen, ob der Hodentumor bereits gestreut hat, d.h. Metastasen gebildet hat. In aller Regel wird deshalb eine Computertomographie des Bauch- und Brustraumes durchgeführt. Die weitere Behandlung richtet sich nach der feingeweblichen Untersuchung und danach, ob Metastasen nachweisbar sind. Histologisch lassen sich prinzipiell zwei große Gruppen, Seminome und Nichtseminome, unterscheiden. Nichtseminome werden in weitere Untergruppen unterschieden. Trotz der Bösartigkeit der Erkrankung ist der Hodentumor das Paradebeispiel einer heilbaren Krebserkrankung. Unabhängig vom Krankheitsstadium werden über 80% der Patienten geheilt. Die Standardtherapie der Seminome ohne Metastasen besteht in einer Bestrahlung der Lymphknoten des Bauchraumes, einer Chemotherapie mit Carboplatin oder einer abwartenden Überwachung (active surveillance). Die Heilungsrate in diesem Stadium beträgt nahezu 100%. Bei einem Seminom mit Metastasen muss eine Bestrahlung der Lymphknoten des hinteren Bauchraumes durchgeführt werden, die Heilungsrate beträgt dann noch 90%.   Bei Nichtseminomen ohne Metastasen gibt es 3 Behandlungsalternativen, die  operative Entfernung der Lymphknoten im hinteren Bauchraum, die primäre Chemotherapie und die aktive Überwachung. Bei einer geringen Lymphknotenmetastasierung. besteht die Standardtherapie in einer operativen Entfernung der Lymphknoten im Bauchraum, gefolgt von zwei Zyklen Chemotherapie. Die Heilungsrate beträgt dann noch 95%. Bei einer fortgeschrittenen Metastasierung müssen 3-4 Zyklen Chemotherapie (Cisplatin, Etoposid, Bleomycin) durchgeführt werden. Nach abgeschlossener Behandlung ist die fachgerechte Nachsorge genauso wichtig wie die Diagnostik und Therapie, um mögliche Rezidive frühzeitig zu erkennen. Hier ist eine gute Zusammenarbeit des niedergelassenen onkologisch tätigen Urologen mit einem Tumorzentrum unbedingt erforderlich.